Die Scheren sind geschärft

Friseure öffnen wieder

Form und Farbe für die Haare: Unter strengen Auflagen dürfen Friseure am Montag wieder ihre Geschäft aufnehmen.

Von Hannah Möller 02.05.2020

Im Friseursalon von Roberto Laraia, Reutlingens Innungschef der Friseure, probt das Personal schon neue Laufwege, Trennwände stehen zwischen den Stühlen bereit, geschärfte und desinfizierte Scheren warten nach sechswöchiger Pause darauf wieder benutzt zu werden: Ab Montag dürfen Friseursalons in Baden-Württemberg mit neuen Konzepten und angepassten Abläufen wieder öffnen – auch Laraia.

In den Friseursalons habe es schon immer hohe Hygienestandards gegeben, erklärt der Inhaber – jetzt kommen noch einige Regelungen hinzu, die in einer gemeinsamen Richtlinie vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und dem Sozialministerium herausgegeben wurden: Um den nötigen Abstand von 1,50 Metern zwischen den Kund/innen einzuhalten, dürfen weniger Plätze belegt werden. Wenn Kunden wegfallen, sei das zwar für kleinere Salons besonders schwierig, „doch das ist immerhin besser als gar nichts“, meint Laraia. Friseur/in und Kund/in müssen beide einen Mundschutz tragen. Solange eine Maske genutzt werde, die mit einem Gummi hinter den Ohren hält, stehe dem Haareschneiden nichts im Weg, versichert Laraia. Gesichtsbehandlungen, Augenbrauenzupfen sowie Bartpflege dürften jedoch nicht durchgeführt werden. Doch einige Ratschläge werden die Haar-Experten zur Verfügung haben, wenn man sie danach frage, sagt der 55-Jährige.

Damit sich keine Schlangen vor der Tür bilden, was nach der langen Schließzeit zu erwarten ist, könne ein Termin nur nach telefonischer Vereinbarung gemacht werden. Der Art-Direktor des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks sieht in der Schlangenbildung tatsächlich eine Gefahr: „Wenn sich nicht alle daran halten, werden alle Friseure wieder schließen müssen.“ Gerade Walk-In-Friseure, die normalerweise ohne Termin arbeiten, sieht er jetzt in der Verantwortung. Diese müssten besonders darauf achten, dass sich keine Menschenansammlung vor der Tür bilde.

Auch Wartezonen im Salon gibt es nicht mehr: Der Gast wird von draußen hereingeholt und direkt an seinen Platz begleitet. Wer keine eigene Maske dabei habe, könne sich eine für 1,50 Euro in Laraias Salon leihen. Jeder Gast bekomme einen neuen oder frisch gewaschenen Umhang – Laraia hat extra den Bestand aufgestockt, mit Einmal-Umhängen wolle er nicht arbeiten. Müll mag der Innungschef gar nicht, der müsse ja wegen Corona nicht zunehmen.

Was aber zunimmt, sei der Zeitaufwand, macht Laraia deutlich. Nach jedem Kunden werden der Arbeitsplatz sowie die genutzten Werkzeuge desinfiziert. Der Obermeister rechnet damit, dass die Friseure je nach verändertem Konzept ihre Preise etwas erhöhen werden. „Wir brauchen Masken und Desinfektionsmittel. Wir haben weniger Plätze zur Verfügung. Die Kostenexplosion ist enorm“, sagt der 55-Jährige.

Doch die Terminbücher für die nächsten Wochen sind schon gut gefüllt. Laraia empfiehlt seinen Kund/innen, direkt beim ersten Besuch einen Folgetermin auszumachen. Seinen Kolleg/innen hingegen rät er, in den ersten Wochen Überstunden zu machen und die Öffnungszeiten vorerst auszudehnen.

Was schlussendlich auch zur neuen Richtlinie gehört: Alle bekommen im Salon die Haare gewaschen, betont Laraia. Ein Vorteil hat die Sache: „Derjenige, der sich sonst nur trocken die Haare schneiden lässt, wird jetzt merken wie angenehm eine Kopfmassage ist.“ Und das in einer Zeit, in der man gerade weniger direkten Kontakt hat.

Fünffacher Weltmeister der Friseure

Vor 30 Jahren hat Roberto Laraia seinen ersten Friseursalon in Tübingen eröffnet, den heute seine Frau Katja führt. 1994 folgte dann in Reutlingen Laraias zweites Geschäft. Mittlerweile gehört der Obermeister der Friseurinnung Reutlingen zu den besten Hairstylisten weltweit – mit Grand-Prix-Siegen, als Landesmeister sowie Weltsieger der Berufsolympiade. Der fünffache Weltmeister Laraia ist mit seinem Team jedes Jahr auf nationalen und internationalen Meisterschaften und Trend-Shows unterwegs.

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Foto: © Christoph Schmidt Photography