Natürlichkeit im Trend

Haarkünstler zeigen trendige Looks

100 Azubis, Gesellen und Meister zeigen ihr Können in Berkheim

In verschiedenen Kategorien traten insgesamt über 100 Haarkünstler an, um ihren Puppenköpfen beim Styling den trendigsten Look zu verpassen.

Handwerkliche Fähigkeiten, Fantasie, Gefühl für Proportionen und für aktuelle Trends: Das war bei den gut 100 Azubis, Gesellen und Meistern im Friseur- und Kosmetikhandwerk gefragt, die am Sonntag bei ihren Landesmeisterschaften in der Osterfeldhalle ihr Können zeigten. Die Zuschauer staunten über die Kreationen, die die vorwiegend jungen Leute auf die (Puppen-)Köpfe zauberten.

Der Fachverband Friseur und Kosmetik setzt zwar selbst Trends, orientiert sich aber an gesellschaftlichen Tendenzen und an der Modebranche. So ist beim Haupthaar Nachhaltigkeit und Natürlichkeit angesagt: Bei Frauen wie bei Männern werden die Frisuren weicher und weniger streng, die Haare fallen ungezwungen in Wellen und Locken. Wer keine hat, „der kann sich von uns helfen lassen“, sagt Roberto Laraia, Friseurmeister und Art Director im Fachverband. Dabei könnte man einer alten Bekannten im neuen Gewand begegnen: der Dauerwelle, die die Friseure nicht so nennen, denn der Begriff ist „verbraucht“ – er wird mit Korkenzieherlöckchen oder voluminösem Kraushaar in Verbindung gebracht. Heute ist zwar die Chemie nahezu die gleiche, aber das Styling anders. Man setzt auf weich fallende, großzügige Wellen und Locken.

Gespür für den Zeitgeist war bei den Landesmeisterschaften in verschiedenen Kategorien und Wettbewerben gefragt. In der Kosmetik kamen „Smokey Eyes“ gut an, bei den Frisuren trendige Schnitte für Männer und Frauen und ein Up Do, also eine Hochsteckfrisur für langes Haar. Ausgelernte Friseure und Friseurinnen und Azubis machten sich gleichzeitig ans Werk, wurden aber unterschiedlich gewertet. „Was ihr hier abliefert, das ist sensationell“, lobte Roberto Laraia das hohe Niveau, während bei den Hochsteckfrisuren die Zeit lief. Die Azubis im ersten Lehrjahr hatten mit 35 Minuten fünf Minuten länger als die anderen. Sie sind gerade mal fünf Monate in Ausbildung. Viele von ihnen hätten im Vorfeld am freiwilligen Training „Fit for Future“ des Fachverbands teilgenommen, erzählte Laraia.

Motivation pur also, auch an den Spiegeln und Puppenköpfen beim Wettbewerb. Konzentriert wurden Haare gesteckt, gecreppt, geflochten, gefärbt, geschlungen, geföhnt … „Da können Sie jetzt schon Gift drauf nehmen, dass die alle tolle Friseure werden, unabhängig von der Platzierung“, so der Art Director. Seinem Verband geht es bei den Meisterschaften in erster Linie um Nachwuchsförderung und Motivation. Denn auch bei Friseuren sind Fachkräfte knapp, obwohl die Bezahlung besser sei als vor einigen Jahren, wie Landesgeschäftsführer Matthias Moser betonte. Für ihn und seinen Verband seien die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Barber-Shops kein Dorn im Auge, sofern sie die Arbeit machten, für die sie qualifiziert seien: „Wir möchten einfach das Handwerk, wie es bei uns Tradition hat, erhalten und hoch halten“.

Dass ein Friseursalon sein 100-jähriges Jubiläum feiern kann, wie der von Renate Diflipp in Durlach, ist schon eine Ausnahme. Sie schaute ihrer Enkelin Lisa zu, die einen am Kopf geflochtenen Zopf und einen Dutt in Blond zauberte. Daneben entstand eine kunstvolle Brautfrisur mit eingesteckten Röschen und ein peppig gefärbter Dutt. Im Lauf des Tages verfolgten um die 500 Zuschauer das Geschehen. In der Gunst der Jury schnitten trendgemäß die natürlichen Farben und Formen am besten ab. Wie die von Nadine Jach oder von Michelle Sion, die bei den Hochsteckfrisuren jeweils die ersten Plätze in ihrem Lehrjahr belegten. Michelle Sion hatte mit acht Strängen geflochten, „eine Art Webtechnik“ quer über den Kopf. „Das hab‘ ich mir zu Hause überlegt. Ich mag flechten, das hat eine große Kraft.“

Weiterbildung war in der Osterfeldhalle ebenfalls ein großes Thema, sei es an den Ständen, bei Vorführungen und Vorträgen. Zum Beispiel über den „Calligraphy Cut“, den Schnitt mit einem besonderen Werkzeug, nicht Schere und nicht Messer, sondern dazwischen. Es kappt die Spitzen nicht stumpf, sondern im spitzen Winkel, wodurch das Haar anders falle als sonst: „mal beruhigend, mal anregend“, so Erfinder Frank Brormann. Maria Haubelt machte die Probe aufs Exempel. Sie gehörte eigentlich zum Catering-Team ihres Sohnes, hatte aber die passende Haarlänge für die Demonstration und ließ sich darauf ein. „Das fühlt sich toll an, und man hat nicht gespürt, dass sie schneidet.“

Artikel aus Esslinger-Zeitung

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Text: Karin Ait Atmane