Wiedereröffnung für Friseure

GEA Reutlingen

Roberto Laraia über die Wiedereröffnung für Friseure

Termine im Salon nur nach Vereinbarung. Kein Trockenhaarschnitt, keine Bartrasur, dafür aber Maskenpflicht

Von Stanislav Schitz 30.04.2020 07:00

Friseur Reutlingen Haarewaschen

Haare waschen vor dem Schneiden ist Pflicht. FOTOS: SCHITZ Foto: Stanislav Schitz

REUTLINGEN. Der Wiederöffnung von Friseurbetrieben ab Montag, 4. Mai, steht nichts mehr im Wege, heißt es in der gestrigen Pressemitteilung des Wirtschafts- und Sozialministeriums. Parallel veröffentlichte es neue Richtlinien für Friseurbetriebe, die auf dem Arbeitsschutzstandard der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) der Friseure von letzter Woche basieren. Diese wurden in Zusammenarbeit mit Ärzten und Virologen erarbeitet und sollen bundesweit greifen. »Friseurbesuche gehören für viele Menschen zur persönlichen Hygiene. In den Betrieben müssen strenge Standards eingehalten werden«, äußerte sich Sozialminister Manfred Lucha.

»Wir Friseure haben schon immer einen hohen Hygienestandard vorgegeben«, erklärt Obermeister der Friseurinnung Roberto Laraia, der die neuen Standards als »Erweiterung« und gleichzeitig »logistische Herausforderung« bezeichnet. Damit sich möglichst niemand mit dem Virus ansteckt, gelten neue Vorgaben, die den Salonbesuch grundlegend verändern.

Großer Mehraufwand

Haare waschen beim Friseur wird für alle Kunden zur Pflicht, »um Viren zu beseitigen oder zumindest abzuschwächen«, sagt Laraia, Inhaber der Friseursalons Hairlive in Reutlingen und Tübingen. Beim Waschen müssen Handschuhe getragen werden, beim Schneiden hingegen nicht. »Eine Haarwäsche kann etwas Entspanntes und Angenehmes sein, so wird der ein oder andere in den Genuss kommen und den nie wieder missen wollen.«

Beim Bedienen müssen Friseure einen Mund-Nasen-Schutz tragen, Kunden bereits beim Betreten des Salons eine sogenannte Community-Maske, beispielsweise selbstgenähte aus Baumwolle. Hierzu empfiehlt Laraia Masken, bei denen die Gummischleifen hinter den Ohren befestigt sind, »dann kann man auch wunderbar schneiden«. Masken, die am Hinterkopf befestigt sind, sind dagegen nicht empfehlenswert.

Friseur Reutlingen Termin

Der Terminkalender von Roberto Laraia ist jetzt schon voll. Foto: Stanislav Schitz

Zudem wurde festgelegt, dass die Terminvergabe nur elektronisch, also per Mail oder Telefon, erfolgen darf. Dadurch sollen Personenansammlungen in den Warte- und Dienstleistungsbereichen nicht entstehen. Diese Regelung trifft besonders die sogenannten Walk-in-Betriebe, also solche ohne Terminvergabe und mit Konzepten, die auf Zeit getrimmt waren. »Die müssen jetzt umstrukturieren«, meint Laraia.

Wegen der hohen Nachfrage werden wohl viele Friseure ihre Öffnungszeiten ausdehnen. »Die Termine sind schnell ausgebucht gewesen.« Ursprünglich rechnete Roberto Laraia damit, schon am 21.?April öffnen zu dürfen.

Ohne Wartebereiche entfällt zugleich das Angebot von ausgelegten Zeitungen und Zeitschriften oder Getränken wie Kaffee oder Wasser. Ferner muss der Kunde mit einem vereinbarten Termin vom Friseur an der Eingangstür abgeholt werden und sich die Hände desinfizieren, weshalb in Laraias Laden sich ein Spender mit Desinfektionsmittel für Hände befindet. Durch die Abstandsregelung verringert sich automatisch die Anzahl der Plätze um etwa ein Drittel. »Es hängt natürlich von der Größe des Salons ab.« Manche kleinere Betriebe werden wohl Plastikwände zwischen den Sitzplätzen einbauen müssen.

Außerdem sind Face-to-Face-Behandlungen untersagt, »deshalb haben die Kosmetiker beispielsweise zu«, sagt Laraia. In dem Schutzbestand heißt es: »Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden.« Roberto Laraia, der selber Bartträger ist, empfiehlt in diesem Zusammenhang, sich vom Friseur »seines Vertrauens« Tipps einzuholen, aber vor allem »ein Shampoo für den Bart zu benutzen, das antiseptisch ist«, also keimreduzierend.

Nach jedem Kunden muss sowohl der Platz als auch das Werkzeug desinfiziert werden. Hierzu eignen sich spezielle Hygieneboxen. »Für die meisten Friseure ist es ja nichts Neues. Der Unterschied ist jetzt nur die Häufigkeit.« Dabei sollte pro Kunde ein Frisierumhang, verwendet werden.

Beschäftigte und Kundschaft mit Symptomen einer Atemwegserkrankung oder Fieber dürfen den Friseursalon nicht betreten, heißt es weiter in den Richtlinien. Deshalb muss der Gesundheitszustand des Kunden direkt vor dem Termin erfragt werden.

Zudem soll der Zeitraum, in dem der Kunde im Salon war, erfasst werden. Auch die Erfassung persönlicher Daten des Kunden wie Name und Telefonnummer gehört dazu. Das könne beispielsweise gleich bei der Terminierung erfolgen. So sollen mögliche Infektionsketten nachverfolgt und unterbrochen werden können. Damit später mögliche Kontaktpersonen identifiziert und informiert werden können, sind aussagefähige Kontaktdaten zu erfragen und zu dokumentieren, schreiben die neuen Standards des BGW vor. Das Nichterfassen der Daten stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. »Wenn ein Kunde doch dagegen ist, dann darf ich ihn nicht bedienen.« Trotzdem sieht Laraia bei dieser Richtlinie kein Problem: »Wir haben ohnehin eine Bonpflicht.« In der elektronischen Kassenabrechnung steht gleichzeitig, wann und welcher Mitarbeiter den Kunden bedient hat.

So kommen zahlreiche Richtlinien künftig auf die Friseure zu. »Durch diesen Mehraufwand an Zeit, Material und weniger Plätze, die im Salon zur Verfügung stehen, hat man automatisch höhere Kosten für jede Dienstleistung.« Deshalb werde wohl jeder Betreiber die Preise neu kalkulieren müssen. Die Kosten für Masken und Desinfektionsmittel sind schließlich ebenfalls gestiegen, erklärt Laraia, der jetzt schon über 3?000 Euro für die geforderten Maßnahmen investiert hat.

Zusammenfassend erklärt er: »Wenn der Friseur seine Regeln einhält, kann nichts passieren. Das Allerwichtigste ist, dass die Kunden sich sicher fühlen und auch sicher sind.« (GEA)

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