Wollen Vertrauen schaffen

Friseurinnung Reutlingen

Waschen und schneiden ab 4. Mai: Der Innungsobermeister der Friseure, Roberto Laraia, zu den Vorbereitungen seiner Branche.

Von Carola Eissler

Konzepte erstellen, Mitarter schulen, Abläufe durchspielen: Roberto Laraia hat derzeit alle Hände voll zu tun, um sich auf die Wiedereröffnung der Friseursalons ab Montag, 4. Mai vorzubereiten.

Der Obermeister der Friseurinnung-Reuttingen und Art Director des Zentralverbandes des Deutsehen Friseurhandwerks weiß genauso wie seine Kollegen, worauf es ankommt, nämlich die Infektionsketten zu unterbrechen, Mitarbeiter und Kunden zu schützen und deren Gesundheit zu sichern. "Wir Friseure sind uns unserer Verpflichtung und Verantwortung bewusst", sagt Laraia.

Hygiene ist in den Friseursalon zwar schon immer ein Thema, jetzt kommen allerdings noch Abstandsregeln, häufigeres Desinfizieren, Mundschufz und vieles mehr hinzu. Vor allem können Kunden nur noch auf Termin bedient werden und müssen ihren Namen sowie Telefonnummer hinterlegen. So bleiben mögliche Infektionsketten nachvollziehbar. Verordnungen, hinter denen Roberto Laraia voll und ganz steht, schließlich geht es um die Gesundheit unserer Kunden und auch unserer Mitarbeiter. Und Laraia hofft, wie er unumwunden sagt, "dass die Ordnungsämter streng kontrollieren und hart durchgreifen" gegen jene schwarzen Schafe in der Branche, die sich eben nicht an die Verordnungen halten.

In jedem Salon werden sich die Abläufe ändern. Wir proben auch schon mit unseren Mitarbeitern.'' Denn in Zukunft müssen die Kunden. die im vorab einen Termin vereinbart haben, vor dem Geschäft abgeholt und zum Platz geführt werden. Trockenhaarschnitte dürfen nicht mehr durchgeführt werden, ebenso wenig wie Gesichtskosmetik oder Bartpflege. Weshalb auch reine Barber-Shops, die keinen Friseurmeister vorweisen können, nicht öffnen dürfen. Es gibt weniger Plätze in den einzelnen Salons und auch keine Wartezonen mehr. Eine logistische Herausforderung, wie Laraia sagt. Nach jedem Kunden werden nicht nur die Schnittwerkzeuge, sondern auch der PIatz komplett desinfiziert, weshalb auch die zeitlichen Abstände zwischen den Kunden gestreckt werden. Die Kunden ihrerseits müssen auf Zeitschriften und Getränke venichten und sich ebenfalls den Hygienevorschriften unterordnen.

Laraia weiß, dass es für viele seiner Kollegen um die Existenz geht. Sechs Wochen waren die Friseursalons geschlossen, jetzt geht es zwar weiter, aber es können wegen der Abstandsregeln weniger Kunden aufgenommen werden als bislang. Hinzu kommen enorme Ausgaben für Trennwände, Hygieneartikel, Mundschutz, Desinfektionsmittel, wie Laraia erklärt: Laraia rechnet deshalb fest damit, dass die Friseure neu kalkulieren und bereits ab dem Öffnungstag am 4. Mai die Preise erhöhen werden. Pro Kunde haben wir jetzt höhere Ausgaben."

Und dennoch sieht er auch die Chance für das Friseurhandwerk und die Meisterbetriebe: Jetzt geht es vor allem darum, dass die Kunden uns vertrauen. Und wir wollen alles tun um Vertrauen zu schaffen."

Die erste Woche Wird für die Friseure sicherlich die härteste, ist Laraia überzeugt. ,.Aber wir werden das alles hinbekommen." Das Wichtigste bei alldem sei, das Corona-Virus zu besiegen und irgendwann wieder zu einem normalen Alltag zurück zu kehren.

In diesen Tagen ist der 56-jährige Reutlinger nicht nur mit den Konzepten für seine drei Salons und die Arbeitspläne fiir seine rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Als Obermeister der Innung ist er vor allem Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte seiner Kollegen im Friseurhandwerk. Allein an den Live-Chats der Innung am Wochenende haben sich 6000 Leute beteiligt. Laraia informiert über die Vorschriften und Verordnungen, gibt Tipps, hilft bei Fragen rund um die Umsetzung im Vorfeld der Wiedereröffnung. Vor allem aber macht er Mut und mahnt, alle Verordnungen und Auflagen gewissenhaft umzusetzen. "Denn eine erneute Schließung wäre für uns Friseure der Super-Gau.

Die lnunng und Ihr Obermeister

96 Betriebe gehören der Friseurinnung bei der Handwerkskammer Reutlrigen an. Obermeister ist Roberto Laraia. Er zählt zu den besten Hairstylisten weltweit mit Grand Prix-Siegen, als Landesmeister sowle Weltsieger bei der Berufsolympiade. Alljährlich trifft man den mehrfachen Weltmeister der Frlseure und sein Team auf nationalen und internationalen Meisterschaften sowie auf den aktuellen Trend-Shows. Laraia hat seinen ersten Friseursalon 1990 ln Tübingen eröffnet.1994 folgte der Salon in Reutlingen. Schon Laraias Vater war Friseurmeister in Reutlingen.