Mit Föhn und Schere

Mit Ehrgeiz schafft man es

Mit Föhn und Schere gegen die Sprachlosigkeit

Ausbildung: Wajdi Rabbah macht eine Ausbildung zum Frisör bei Roberto Laraia. Der 20-Jährige floh 2014 aus dem syrischen Idlib nach Deutschland.

Frisörmeister Roberto Laraia ist stolz auf seinen Schützling Wajdi Rabbah. Der 20-jährige Syrer macht eine Ausbildung beim Reutlinger Haarschneide-Weltmeister und gewann schon im ersten Lehrjahr einen Wettbewerb. Ein bisschen wird Laraia durch den jungen Syrer auch an die Geschichte seiner eigenen Familie erinnert.

Schon in Syrien Frisör gewesen

Rabbah wuchs in Idlib im Nordwesten Syriens auf. Als der Krieg begann, wurde seine Schule niedergebombt, das Lernen war schlagartig beendet. Sein Vater arbeitete damals als Schneider, dieser Beruf gefiel Rabbah aber nicht. Also begann er bei einem Herrenfrisör zu arbeiten. Der Salon gehörte einem Freund seines Vaters. Rabbahs Eltern und sein Bruder starben bei einem Bombenangriff, er selbst machte sich dann Ende 2014 auf den Weg nach Deutschland. Damals war er 17 Jahre alt. Über Lörrach kam er nach Reutlingen. Dort sei für ihn klar gewesen: „Ich will Frisör werden.“

Zunächst schnupperte er als Praktikant bei Laraia Salonluft. Als er im Sommer 2017 seinen Hauptschulabschluss in der Tasche hatte und gut genug Deutsch sprach, bekam er einen der sieben Ausbildungsplätze, die Laraia momentan in seinem Reutlinger und seinem Tübinger Salon anbietet. Am Anfang sei der junge Syrer oft schüchtern in der Ecke gestanden, erinnert sich Laraia. „Ich hatte schon Sprachprobleme“, sagt auch dieser. Jetzt verstehe er aber sogar schon ein bisschen Schwäbisch. Was ihm sicher helfen wird, wenn er irgendwann seine ersten Kunden alleine betreuen darf.

Sieg bei den Landesmeisterschaften der Friseure 2018

Im März trat der syrische Frisörlehrling bei den Landesmeisterschaften an. 50 Euro Startgebühr zahlt Laraia für jeden Lehrling, der dort mitmacht. Und das tut er gerne, wie er betont: „Die Azubis lernen bei einem solchen Wettbewerb zum ersten Mal, wie man plant und unter richtigem Zeitdruck arbeitet“, sagt er. „Außerdem nimmt ihnen das Aufder-Bühne-Stehen ein bisschen die Prüfungsangst.“ Rabbah hatte sich drei Wochen lang an Probeköpfen vorbereitet. Sein Herrenhaarschnitt mit anschließendem Föhnen, für den er nur 30 Minuten Zeit hatte, brachte ihm schließlich den Sieg ein. Diese „Youngster Trophy“ habe ihm „sehr viel positive Energie“ gegeben, sagt der 20-Jährige.

Mit Ehrgeiz schafft man es

Frisörmeister Laraia wuchs als Kind eines italienischen Gastarbeiters in Reutlingen auf. Wie es sich anfühlen muss, fremd und sprachlos in einem neuen Land zu sein, weiß er nicht. Sein Vater Loreto aber kam 1959 als junger Mann aus Italien, erzählt er. Die Arbeitssuche damals sei schwer gewesen: „Der konnte nicht sofort einen Container ziehen und sich als Bauarbeiter sein Geld verdienen.“ Erst 1966 gelang es Loreto Laraia schließlich, einen Salon in der Kanzleistraße zu eröffnen. Nun sind zwei seiner vier Söhne ebenfalls Coiffeure.

Gerne wieder ein Wettbewerb

Lehrling Rabbah lächelt, während der Chef die Familien-Geschichte erzählt. Sie zeigt dem jungen Syrer, dass man es auch in einem zunächst so fremden Land schaffen kann, wenn man nur genügend Ehrgeiz beweist. Ob Rabbah je wieder nach Syrien zurück will? Er antwortet knapp: „Nein, das geht nicht.“ Aber an einem Wettkampf würde er gerne wieder teilnehmen. „Das finde ich super“, sagt der 20-Jährige. Frisörmeister Laraia lacht: „So läuft das meistens mit den Wettbewerben: Wenn die Azubis Blut geleckt haben, dann kann man sie gar nicht mehr bremsen und Frisör werden, der musste erst in

Text: Kathrin Kammerer

Bild: Haas
Abb: Frisörmeister Roberto Laraia (rechts) und sein Schützling Wajdi Rabbah (links) gemeinsam bei der Arbeit.