WIE HINGEKLEBT

Interview Stuttgarter Zeitung

Starfriseur Roberto Laraia zu Donald Trump
 

Ein Starfriseur über Donald Trump

Roberto Laraia, Art Director des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, über die Frisurprobleme des republikanischen Präsidentschaftskandidaten – und mögliche Gegenstrategien.

Werner Ludwig: Herr Laraia, seine Frisur hat Donald Trump schon viel Spott eingebracht. Zu stören scheint ihn das nicht. In einer US-Fernsehshow durfte der Moderator Trump mit dessen Zustimmung kräftig durchs Haar fahren – mit verheerendem Ergebnis. Braucht der Mann nicht dringend einen neuen Friseur?

Roberto Laraia: Am Ende entscheidet immer der Kunde. Dem Friseur kann man deshalb keinen Vorwurf machen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der bei Trump ohnehin nicht viel zu melden hat. Auch andere ältere Herren tragen das Deckhaar oft etwas länger, um ihr Haar fülliger wirken zu lassen, als es eigentlich ist. Das sieht dann manchmal aus wie hingeklebt oder wie ein Toupet – das Trump offensichtlich nicht trägt. Sein Haar ist für sein Alter noch recht voll. Ob er schon mal eine Haartransplantation hatte, kann man auf den Fotos nicht beurteilen.

Werner Ludwig: Was würden Sie tun, wenn Trump in Ihren Laden kommen würde?

Roberto Laraia: Ich würde das Deckhaar deutlich kürzer schneiden. Mit einem modischen Stufenschnitt würde es immer noch füllig wirken. Das nächste Thema ist die Farbe. Beim Blondieren ist ein Farbton entstanden, der irgendwo zwischen Gelb und Orange liegt. Für Männer in Trumps Alter würde ich eher zu gedeckten Aschtönen raten. Das wirkt seriöser. Aber Trump ist ja ein Typ, der gerne provoziert. Bisher hat er auch nicht nach meinem Rat gefragt. Vielleicht kommt das ja noch. Lieber Donald, wenn du mich brauchst, bin ich für dich da!

Werner Ludwig: Donald Trump ist frisurtechnisch sicher ein Extremfall. Es gibt doch auch Politiker, die in Haarfragen einen besseren Geschmack haben.

Roberto Laraia: Natürlich. Zum Beispiel den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der hat es obenrum auch gerne etwas fülliger, um Vitalität auszustrahlen. Aber sein Friseur hat das deutlich besser gelöst. Auch Angela Merkel hat mittlerweile eine 200 Prozent bessere Frisur als zu Beginn ihrer Karriere. Da kann man sehen, was ein Friseurwechsel bringen kann. Die Kunden müssen sich dann aber auch etwas sagen lassen. Manche Politiker wollen keine große Veränderung ihres Äußeren, weil sie Kontinuität ausstrahlen wollen. Auch Trump wird sich während seiner Wahlkampagne kaum eine andere Frisur machen lassen – so nötig es auch wäre.

Verbandsfunktionär und Starfriseur

Karriere: Roberto Laraia (Jahrgang 1964) ist Artdirector des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Schon als Schüler half der gebürtige Reutlinger im väterlichen Salon. Nach der Ausbildung nahm er an vielen Wettbewerben teil, wurde unter anderem deutscher Meister und Sieger der Berufsweltmeisterschaften. Hinzu kamen etliche internationale Preise.

Salons: 1990 eröffnete Laraia in Tübingen den ersten eigenen Salon. 1994 folgte der zweite in Reutlingen. Heute beschäftigt er rund 20 Mitarbeiter. Während des Telefoninterviews steht er im Salon und gibt einem Mitarbeiter zwischendurch Anweisungen.

Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG Werner Ludwig, Redaktion Wissenschaft / Leben, 16. September 2016

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